Nationalpark Schwarzwald, Ruhestein

Rückkehr eines großen Jägers

der Wolf in Baden-Württemberg

Der „böse Wolf“ ausgerottet durch den Menschen – mit weitreichenden Konsequenzen für den Wald

Der Wolf gehörte einst zu den am weitesten verbreitesten Säugetieren der Welt. In großen Familienbanden ließen sich die anpassungsfähigen Rudeltiere in den unterschiedlichsten Landschaften nieder. Mit ihrem ausgesprochen gut ausgeprägten Geruchs- und Gehörsinn können Wölfe ihre Beute aus bis zu 2,5 km Entfernung wittern oder auf das Geheul eines Artgenossen in 6 km Entfernung antworten. Als große Raubtiere regulieren Wölfe nicht nur die Populationsdynamiken ihrer Beutetiere, sondern auch die Ausbreitung deren Nahrungspflanzen. Mit der aufkommenden Viehhaltung und der Bejagung des Wolfes durch den Menschen wurde dieser natürliche Regulationsmechanismus gestört. Dadurch ist die Natur aus dem Gleichgewicht geraten, was nicht zuletzt durch hohe Wildbestände und starken Wildverbiss von Jungtrieben im Wald deutlich wird. In Deutschland wurde der Wolf im Zuge der Verfolgung durch den Menschen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts vollständig ausgerottet. 

 

Mehr als ein Jahrhundert später gelang durch strenge Schutzmaßnahmen, wie dem Washingtoner Artenschutzabkommen, der Berner Konvention oder den Flora-Fauna-Habitat-Richtlinien auf EU-Ebene, die Wiederansiedelung des Wolfes in Deutschland. Im Jahr 2000 wurden die ersten Wolfswelpen in freier Wildbahn geboren – heute leben in Deutschland dem NABU zufolge wieder 157 Wolfsrudel, 27 Paare und 19 territoriale Einzeltiere. Auch in Baden-Württemberg wurde der Wolf im Jahr 2015 wieder nachgewiesen.  

 

 

Umgang mit Übergriffen auf Herdentiere

Obwohl der Wolf nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt ist, kommt es immer wieder zu illegalen Tötungen – aus Angst vor freilaufenden Wölfen oder vor Übergriffen auf Herdentiere. Tatsächlich kommen vereinzelte Übergriffe von Wölfen auf Herdentiere vor, diese machen jedoch lediglich ca. 1% der Wolfsernährung aus. Eine fehlende Aufklärung über den Wolf und die Möglichkeit des staatlichen Ausgleichs bei wirtschaftlichen Einbußen durch Wolfsrisse führt dazu, dass die Abneigung gegen Wölfe steigt. Die sinnvollste Präventionsmaßnahme gegen solche Fälle stellt nämlich nicht der Abschuss der Wölfe dar, sondern der Herdenschutz durch Zäune und die finanzielle Unterstützung für Schutzmaßnahmen und ein Schadensausgleich. Das baden-württembergische Umweltministerium unterstützt daher Herdenschutzmaßnahmen finanziell und erstattet die Kosten im Fall von Wolfsübergriffen. 

 

Große Raubtiere wie Luchs und Wolf haben als Populationskontrolleure einen positiven Einfluss auf die Ökosysteme, indem Erosion vorgebeugt und Verjüngung der Vegetation gefördert wird. Darüber hinaus helfen sie Zoonosen vorzubeugen, indem alte und kranke Tiere bevorzugt gejagt werden. Die Rückkehr von Großraubtieren spielt daher eine wichtige Rolle für eine resilientere Umwelt.  

 

 

 

Weiterführende Links: 

 

Wir müssen den Herdenschutz stärken, ohne den Wolfsschutz zu schwächen

 

Quellen: 

https://baden-wuerttemberg.nabu.de/news/2017/juni/22672.html 

 

https://um.baden-wuerttemberg.de/de/umwelt-natur/naturschutz/biologische-vielfalt/artenschutz/wolf/hinweise-nutztierhalter/ 

 

https://um.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/m-um/intern/Dateien/Dokumente/2_Presse_und_Service/Publikationen/Umwelt/Naturschutz/Rueckkehr_des_Wolfes.pdf 

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Wölfe_in_Deutschland 

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